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Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft
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Praxis-Fall Schüler-Gruppe: Zusammenarbeit von Bundeswehr und Wirtschaft bei Technik und Personal

50 Mitarbeiter zählt die Schüler-Unternehmensgruppe heute und bildet seit Jahren den eigenen Nachwuchs auch aus – ob Lehrling (r. mit Geschäftsführerin Anne Reifers) oder Bundeswehrsoldat, der im Rahmen einer verkürzten Ausbildung den Sprung in den Beruf schafft (2.v.l.: Carola Lafos vom Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft). Foto: HwK
50 Mitarbeiter zählt die Schüler-Unternehmensgruppe heute und bildet seit Jahren den eigenen Nachwuchs auch aus – ob Lehrling (r. mit Geschäftsführerin Anne Reifers) oder Bundeswehrsoldat, der im Rahmen einer verkürzten Ausbildung den Sprung in den Beruf schafft (2.v.l.: Carola Lafos vom Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft). Foto: HwK

Wird ein Auto abgestellt, sorgt die Handbremse für den sicheren Stand. Und bei einem Panzer? Wie sorgt man dafür, dass sich ein tonnenschwerer Leopard nicht vom Fleck rührt, selbst dann, wenn der Stopp an einem Steilhang eingelegt wird? Die Mitarbeiter der „Schüler Wehrtechnik“ in Limburg wissen das ganz genau, denn sie sind die „Panzer-Stopper“: Hier werden Bremssysteme für schwere Fahrzeuge gebaut und auch Panzer-Handbremsen gewartet.

90 Kilo bringen die Scheibe und Anbauteile einer Leopard-Handbremse auf die Waage. Ein Fall für den Werkstattkran, den man braucht, will man die weiten Strecken in den Schüler-Hallen zurücklegen.

Vor einem halben Jahrhundert wurde der Betrieb als Autoteilehandel gegründet, der sich im Laufe der Jahre auch auf militärische Auftraggeber und ihre besonderen Ansprüche spezialisierte. Seit 1997 haben Anne Reifers und Martin Stahl als Geschäftsführer das Unternehmen fest im Griff – der zwar mit Bremsen, nichts aber mit unternehmerischem Stillstand zu tun hat. 30 Mitarbeiter zählte die Schüler-Gruppe bei der Übernahme vor 14 Jahren. Heute sind es 50 an zwei Standorten mit den Bereichen Bremstechnik, Wehrtechnik, Zerspanungstechnik in Limburg und Gornau bei Chemnitz.

Der Erfolg kam aber nicht über Nacht – und schon gar nicht von allein. Innovationskraft und ein hoher Qualitätsstandard waren Voraussetzungen, umgesetzt durch die Geschäftsführung und jeden einzelnen Mitarbeiter. Dabei spiegelt sich die enge Zusammenarbeit mit der Bundeswehr nicht nur bei Fertigung und Wartung wider – auch bei der Mitarbeitergewinnung nutzt Schüler das Potential der Truppe. Als 2005 die Stelle des Werkstattleiters in der Wehrtechnik zu besetzen war, wandte sich das Unternehmen auch an das Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft und den Berufsförderungsdienst in Koblenz. Gemeinsam suchte man nach einer Lösung – erfolgreich, denn nach bestandener zweijähriger Fachausbildung zum Meister mit Praxisanteil im Betrieb konnte ein ehemaliger Soldat diese Stelle übernehmen.

Die Unterstützung und die Zusammenarbeit in Sachen Personalgewinnung findet aber nicht nur dann statt, wenn es um Führungskräfte geht. Als das Modell „Fachliche Qualifizierung in verkürzter Form für Soldatinnen und Soldaten auf Zeit“ mit Abschluss der Gesellenprüfung im Jahr 2008 gestartet wurde, zählte die Schüler-Gruppe zu den ersten Unterstützern aus der Wirtschaft.

Zusammenarbeit mit der Bundeswehr: 90 Kilogramm bringen die Bremssysteme eines Leopard-Panzers auf die Waage, die bei Schüler in Limburg gewartet werden. Foto: HwK
Zusammenarbeit mit der Bundeswehr: 90 Kilogramm bringen die Bremssysteme eines Leopard-Panzers auf die Waage, die bei Schüler in Limburg gewartet werden. Foto: HwK

„Seit Beginn des Projektes haben wir bereits drei Soldaten nach ihrer Dienstzeit im Rahmen der verkürzten Ausbildung zum Berufsabschluss geführt und sehr gute Erfahrungen damit gemacht“, beschreibt Geschäftsführerin Anne Reifers und nennt klare Vorteile dieses Modells. „Die Soldaten mit ihren Bundeswehr-Erfahrungen können sich gut in bestehende Hierarchien einordnen. Der Unterschied zu einem ´normalen´ Bewerber ist das Alter, außerdem haben sie bereits eine Ausbildung absolviert, nämlich die militärische.“ Weitere Vorteile: „Diese Mitarbeiter haben bereits gelernt, Verantwortung zu übernehmen, sind diszipliniert und höflich“.

Charaktereigenschaften, die natürlich auch in der Wirtschaft willkommen und beim nicht leichten Gang durch die verkürzte Ausbildung von unschätzbarem Vorteil sind, denn dieses Angebot, entwickelt durch das Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft unter dem Dach der Handwerkskammer Koblenz gemeinsam mit dem Bundesministerium der Verteidigung und den zuständigen Handwerksorganisationen, vermittelt innerhalb von 15 Monaten das theoretische und praktische Wissen, für das ein Lehrling in der Regel 42 Monate Zeit hat.

„Der zeitliche Druck setzt Fleiß, Einsatzbereitschaft und Effektivität voraus, soll das Ziel ´verkürzte Ausbildung´ erreicht werden. Auch das sind natürlich Werte, die gern im Unternehmen gesehen werden“, beschreibt Anne Reifers ihre Erfahrungen.

Spitzennoten für das Beratungszentrum

Dem Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft erteilt die Unternehmerin Spitzennoten: Zielorientiert, kollegial und unkompliziert sei die Zusammenarbeit. „Die Hilfestellung an der Schnittstelle Bundeswehr, Soldat, Unternehmen und Ausbildung ist unverzichtbar und erstklassig!“, fasst Anne Reifers zusammen. „In kürzester Zeit hat man hier einen gut ausgebildeten Mitarbeiter“, der zehn Monate der fachlichen Qualifizierung im Betrieb absolviert und fünf Monate in einem Bildungszentrum des Handwerks. Für aktuell vier Berufe wird die verkürzte Ausbildung angeboten, über die das Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft und das jeweilige Standortteam des Berufsförderungsdienstes der Bundeswehr informieren und beraten.

Stand: 20.10.2011